Schluss. Aus. Vorbei.
Theatertreffen der Jugend - Die allerletzte Aufführung vom Bombenwetter in Berlin
Es ist spät geworden am Donnerstagabend. 20 SchülerInnen vom THG sind bereits in Berlin eingetroffen, eine Darstellerin kommt erst am Freitag, kurz vor der Aufführung - kein Sonderurlaub vom Arbeitgeber für Kultur. Die Hoffnung bleibt, dass sie am Freitag pünktlich kommt.
Freitag. Noch 10 Stunden bis zur Aufführung. Die Bühne ist eingerichtet, 48 Lichtstimmungen - vom Einlasslicht bis zur Applausordnung - sind einprogrammiert, es läuft der Mikrofon-Soundcheck. Der erste Durchlauf nach drei Monaten Spielpause kann starten. Noch ist vieles zäh, die Übergänge haken, die ungewohnte Bühne irritiert, aber es wird gespielt. Die Zeit zerrinnt zwischen den Fingern, die Nervosität steigt, Hektik kommt auf, wenn die Haustechnik letzte Hand anlegt und damit die Konzentration stört, zwischendurch zwei Interviews für das Radio, weil das THG die Eröffnung spielt. Um halb sieben sind alle SpielerInnen geschminkt, die Eröffnungsveranstaltung beginnt, auch hinter der Maske sind die Gesichter blass. Dann ist es so weit - alle sind auf ihren Plätzen, die Saaltüren werden geschlossen, das Spiel beginnt - es sollte beginnen, aber das Licht streikt. Aufregung in der Technik und blankes Entsetzen bei den SpielleiterInnen ... dann die Erlösung – erst zaghaft, dann zügig, Licht, es wird hell auf der Bühne.
50 Minuten später ist alles vorbei, geschafft, Applaus, Verbeugung, Abgang, und noch einmal auf die Bühne ... ein allerletztes Mal, dann ist endgültig Schluss. Der Vorhang ist gefallen, es war die definitiv letzte Aufführung dieses Stückes, kein neues Aufwärmen, Schluss, aus, vorbei. Drei SpielerInnen werden unmittelbar nach der Aufführung auf ein Casting angesprochen. Das Theatertreffen als Sprungbrett zur Karriere? Eile ist angesagt, die Gruppe soll das Büffet - noch in der Schminkmaske - eröffnen. Erste Rückmeldungen beim Essen, sehr gemischt - 50 Minuten hart zu sehen - es war toll - professionell - zu politisch - überambitioniertes Schülertheater - die "richtige Kritik" kommt dann einen Tag später, in den Aufführungsgesprächen und der Fachtagung, aber damit hat die Gruppe Erfahrung aus Stuttgart vom "Schultheater der Länder".
Dem weiteren Festival kann die Gruppe entspannt entgegensehen, den täglichen Workshops, den Nachgesprächen, den weiteren Aufführungen. Dabei zeigt sich in den Aufführungen ein Trend: Das Theater "beamt", denn jede zweite Inszenierung setzt einen Videorecorder ein. Mindestens einen. Bis zu sechs wurden gezählt. Liegt hier die Zukunft des Jugendtheaters? Oder identifiziert sich der Zuschauer doch eher mit dem Menschen auf der Bühne?
Das Festival dauert 10 Tage - 10 Tage neue Theaterwelten, vielfältige Eindrücke, neue Bekanntschaften und Freundschaften - ein intensives Erlebnis für jeden Teilnehmer. Und dann noch ein Bonbon und eine weitere Auszeichnung für die Produktuion des Theodor-Heuss-Gymnasiums. Im Klett Schulbuchverlag wird eine neue Reihe in Zusammenarbeit mit den Berliner Festspielen herausgegeben: "werkstatt theater. inszenierungskonzepte." Vorgestellt und veröffentlicht werden beispielhafte Inszenierungskonzepte mit Textvorlage, methodischen Beschreibungen und Anregungen für theaterpädagogische Prozesse. Eine der nächsten Veröffentlichungen wird "Bombenwetter. Das Kopftuch hält." sein.
